Lill Tschudi
CH, 1911 - 2004
* 1911 in Schwanden; † 2004 in Schwanden
1929/30 Ausbildung an der Grosvenor School of Modern Art (GSMA) in London
1931‒1933 Weiterbildung in Paris in Kursen an der Académie André Lhote, der Académie Ranson sowie der Académie Moderne
1934 privater Aquarellmalunterricht bei Claude Flight und Edith Lawrence in London
1935 Beitritt zum Wirtschaftsbund Bildender Künstler (wbk), folgend Teilnahme an Ausstellungen desselben
1940‒1945 Engagement im Frauenhilfsdienst (FHD)
1986 Preis der Stiftung für die graphische Kunst in der Schweiz
1991 Auszeichnung mit dem Glarner Kunstpreis
Erste künstlerische Inspirationen erhielt Lill Tschudi während ihres Sprachaufenthalts an der École supérieure de jeunes filles in Lausanne 1928/29 im dortigen Zeichenunterricht, später durch Anregungen auf Kulturreisen, die sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester unternahm. Früh war sie dabei von Linoldrucken angezogen. Von Dezember 1929 bis Mai 1930 besuchte Tschudi die auf den Hochdruck spezialisierte Grosvenor School of Modern Art (GSMA) bei Claude Flight und Edith Lawrence, wo sie sich vor allem der Linoltechnik widmete. In den Jahren 1931 bis 1933 hielt sich Tschudi wiederholt in Paris auf und absolvierte Kurse an der Académie André Lhote, der Académie Ranson bei Gino Severini sowie an der Académie Moderne, an der Fernand Léger Unterricht in Werbegrafik und Schrift erteilte. 1934 kehrte Tschudi nochmals nach London zurück und erhielt private Aquarellmalstunden bei Claude Flight und Edith Lawrence. Studienreisen nach Frankreich, Holland und Italien rundeten ihre künstlerische Ausbildung ab. Ab 1935 lebte Tschudi erneut in der Schweiz. Bis 1955 hielt sie sich abwechselnd in Schwanden und in Zürich auf, siedelte dann jedoch endgültig in das Haus ihrer Grosseltern in Schwanden über. Sie arbeitete an Linolschnitten, Plakatentwürfen, Aquarellen und Ölbildern, teils mit Collagen ergänzt. Während des Zweiten Weltkkriegs war Tschudi im Frauenhilfsdienst (FHD) tätig.
Ihre Themen bezog Tschudi jeweils aus ihrem unmittelbaren Umfeld: Stadtansichten und Alltagsszenen aus Paris und London finden sich neben Darstellungen des ruralen Lebens im Glarnerland. Sie erfasste präzise die meist männliche Arbeitswelt sowie Situationen während ihres Einsatzes beim FHD. Nach 1955 wurde Tschudis Werk zunehmend abstrakter.
Um 1933, angeregt von Légers Kurs, entstanden einige Plakatentwürfe, die jedoch alle nicht zur Ausführung gelangten. Im Gegensatz zur erzählerischen Dichte ihrer freikünstlerischen Linolschnitte gelang Tschudi in diesen eine stilisierte, formale Verdichtung. Eine serifenlose, meist in Grossbuchstaben gehaltene Typografie reiht diese Arbeiten in die gestalterische Avantgarde der Zeit ein.
Tschudis einzigartige Linolschnitte wurden früh in Gruppenausstellungen in London, aber auch zum Beispiel in den USA und in Australien gewürdigt. Einzelausstellungen erhielt sie vor allem in Glarus. 1981 wurde sie mit dem Kulturpreis der Gemeinde Schwanden, 1986 mit dem Preis der Stiftung für die graphische Kunst in der Schweiz und 1991 mit dem Glarner Kunstpreis ausgezeichnet. In ihrem Todesjahr 2004 zeigte das Kunsthaus Glarus die Ausstellung “Lill Tschudi. Not Just Linocut, But”. Die Graphische Sammlung der ETH würdigte Tschudi 2022 mit der Ausstellung “Lill Tschudi. Die Faszination des modernen Linolschnitts 1930‒1950”.
Quellen:
Graphische Sammlung ETH Zürich (Hg.), “Lill Tschudi. Die Faszination des modernen Linolschnitts 1930‒1950”, Zürich 2022
Frauenfelder, Kathrin, “Lill Tschudi”, in: “SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz”, 2022 (erstmals publiziert 1998), https://recherche.sik-isea.ch/sik:person-4001818/in/sikart
Geburtsname
- Lilian Tschudi
