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Umberto Boccioni
Umberto Boccioni

Umberto Boccioni

IT, 1882 - 1916
BiografieMaler, Grafiker, Bildhauer, Zeichner
Vita: Boccioni, Umberto, ital. Maler, Bildhauer, Graphiker, Zeichner, Kunsttheoretiker, *19.10.1882 Reggio di Calabria, †17.8.1916 (Reitunfall) Verona.
Biogramm: Sohn eines Reg.-Beamten, wächst in Forli, Genua und Padua auf. Stud.: 1888 ebd., seit 1889 in Catania am Ist. Tecnico, später in Rom an der Scuola Libera del Nudo. Unterricht bei einem Werbemaler; lernt Duilio Cambelotti und Gino Severini kennen, mit dem er sich an Veduten und perspektiv. Komp. vor röm. Baudenkmälern übt. Im Atelier von Giacomo Balla erlernen beide die Prinzipien der divisionist. Malweise. Das Ritratto femminile (1903; Mailand, Priv.-Slg) verrät bereits das ausgeprägte Interesse an der bildkonstituierenden Funktion von Licht und Farbe, welche B. v.a. Balla verdankt (Campagna romana, 1903; Chiostro, 1904; beide Lugano, Mus.Civ.). Bes. deutl. Einflüsse in Bildausschnitt und betonter Untersicht (vgl. dessen Gem. "Fallimento", 1902) zeigen sich in einem großformatigen Portr. der Schwiegermutter von Cambelotti, La signora Virginia (1905; Mailand, Civ. Gall. d'Arte Mod.). Die Pastelle Ritratto di Bice Procida und Nonna (1905/06; Venedig, Cassa di Risparmio) bestätigen eine weitgehende Anlehnung B.s an die Ausdrucksprinzipien des verist. Divisionismus. 1905 Teiln. an einer Ausst. "abgelehnter" Künstler im Foyer des Teatro Naz. Im April 1906 erste Parisreise; interessiert sich für die Impressionisten und Cézanne (Figura seduta; Ritratto del dottor Kopcick; Skizzen mit Motiven des Moulin de la Galette). Juli-Nov. 1906 Aufenthalte in Moskau, St.Petersburg und Caricyn (Ritratto di Dora Popoff). Über Warschau Rückkehr nach Mailand, anschließend Padua (1907), wo er Bildnisse malt (Cavalier Tramello; Virgilio Brocchi, Nervi, Priv.-Slg; Adriana Bisi Fabbri; Ritratto di scultore, beides Rom, Priv.-Slg). April-Aug. 1907 in Venedig Stud. an der ABA. Neben mehreren deutlich an Balla orientierten Veduten und Portr. voll. er zwei Rad. (Giudecca Porto), deren starkes Hell-Dunkel aus dem Expressionismus schöpft. Läßt sich zus. mit Mutter und Schwester in Mailand nieder. Beide werden in den Folgejahren das bevorzugte Sujet zahlr. Portr.-Pastelle, Kohle-, Feder- oder Bleistift-Zchngn und Radierungen. Ein Denkmal setzt B. seiner Mutter mit dem Trittico Veneriamo la madre (1907/08; Mailand, Priv.-Slg), dessen allegor. Bildsprache sich deutlich von Gaetano Previati (Bekanntschaft am 2.3.1908) geprägt erweist. Die für Previati typ., symbolist. Malweise in filigranem Farbgewebe klingt auch bei La signora Massimino (Mailand, Priv.-Slg) sowie Romanzo di una cucitrice (1908 auf der Mailänd. Permanente) an. 1908 entdeckt B. Aubrey Beardsley, erkennbar an Feder-Zchngn (z.B. Beata solitudo, sola beatitudo; Allegoria natalizia; Pianoforte; Il pianista). Den Hintergrund eines im selben Jahr voll. Autoritratto (Mailand, Pin. di Brera) bildet das großstädt. Randgebiet, ein beliebtes, 1909 mehrfach wiederholtes Motiv (vgl. Periferia; Mattino, beide Mailand, Priv.-Slg; Crepuscolo, Treviso, Priv.-Slg; Officina di Porta Romana, Mailand, Banca Commerciale Ital.). Mit dem Gem. Controluce von 1909 (Treviso, Priv.-Slg) gelingt B. mittels einer homogenen Lichtmalerei die Verschmelzung von Figur und umgebendem Raum. Diese lichte Einheit von Körper und Raum strebt er v.a. in der großformatigen Komp. Tre donne (1909/10; Mailand, Banca Commerciale Ital.) an. Entscheidend wird nun die Bekanntschaft mit Filippo Tommaso Marinetti, dem Gründer des Futurismus, mit dem er am 11.2.1910 zus. mit Carrà und Russolo das auch von Severini und Balla sign. "Manifesto dei pittori futuristi" verfaßt (öff. Lesung am 8.3.1910 im Teatro Chiarella zu Turin). Diese Künstler unterzeichnen auch das überwiegend von B. konzipierte, am 11.4.1910 veröff. "Manifesto tecnico della pitt. futurista". Im Juli 1910 mit 42 Werken Teiln. an einer Ausst. in der Ca' Pesaro, Venedig (Kat. Marinetti). 1911 Teiln. an der 1. Mostra d'arte libera Mailand (Gem. Il lutto; Rissa in Galleria, 1909/10, Mailand, Pin. di Brera; La retata; La città sale, 1910/11, New York, Mus. of Mod. Art und La risata, bei dieser Gelegenheit beschädigt; ebd.). Im selben Jahr voll. er zwei Versionen einer dreiteiligen Gem.-Serie zu Gli stati d'animo (zweite 1912 in der Gal. Bernheim-Jeune in Paris gezeigt). Am 11.4.1911 veröff. B. das "Manifesto tecnico della scult. futurista". 1913 in Rom Teiln. an der Prima Espos. di Pitt. Futurista. Seine 1912 und '13 geschaffenen Gipsplastiken (z.B. Testa \† casa \† luce, zerst.; Sviluppo di una bottiglia nello spazio; Forme-forze di una bottiglia; zerst.), in denen er neue Beziehungen zw. Raum und Objekten herzustellen suchte, erregen 1913 in der Pariser Gal. La Boethie Aufsehen. Auch weitere Gipsplastiken B.s sind zerst. (Fusione di una testa e di una finestra, 1912/13; Vuoti e pieni astratti di una testa, 1912; Espansione spiralica di muscoli in movimento, 1913; Sintesi del dinamismo umamo, 1913; Muscoli in velocità, 1913). 1913 in Florenz Teiln. an der Espos. di pitt. futurista di Lacerba. In Rom eröffnet er die von Sprovieri in der Via del Tritone eingerichtete "Gall. futurista permanente" (B. liest aus seinem Buch Dinamismo plastico). Im selben Jahr entsteht aus Holz, Karton und Metall die Skulpt. Cavallo \† case. 1914 unterzeichnet er mit Marinetti, Carrà, Piatti und Russolo das Manifest "Sintesi futurista della guerra". Teiln. an kriegsfreundlichen Kundgebungen, wird einmal verhaftet. 1915 sign. er ein weiteres kriegsbegeistertes Manifest, "Orgoglio Italiano". Juli-Dez. 1915 als Mitgl. des Freiwilligen-Bataillons der Radfahrer an der Front, anschließend in Mailand erneut künstler. tätig. Eine intensive Beschäftigung mit Darst.-Möglichkeiten von Raumformen im Bild auf den Spuren von Cézanne und des Kubismus zeigen auch die letzten Gem. von 1915/16 (Nudo simultaneo, Mailand, Priv.-Slg; Sintesi plastica di figura seduta; Portr. von Ferruccio Busoni und dessen Ehefrau, Mailand, Civ. Gall. d'Arte Mod.; Rom, Gall. Naz. d'Arte Mod.; Verona, Priv.-Slg). Sie bilden einen Wendepunkt im späten Schaffen und dokumentieren die Rückkehr B.s zur postimpressionist. Tradition. Unmittelbar nach seiner Einberufung in ein Artillerie-Regiment nach Verona im Juli 1916 stirbt B. an den Folgen eines Reitunfalls. Als Illustrator und Plakatmaler führt B. zu Beginn des Jh. zahlr. Skizzen und Temperaarbeiten zum Thema Automobil (Titel-Bl. der Ztg "Avanti della Domenica", 1905) sowie zu folklorist. Motiven der Ciociaria und der Welt des Reitsports aus. 1908 entwirft er den Einband zu "Lavoro Italiano" und für die Zs. "Touring", Reklame-Zchngn für eine Munitions-Fabrik und veröff. Bll. in "Illustrazione ital.". Ein Ausst.-Plakat von 1909 mit einer Allegoria delle arti zeigt deutliche Einflüsse von Previati und Beardsley.
Quelle: AKL (Auszug)