Jean Carlu
Jean Carlu
* 1900 in Bonnières-sur-Seine, Frankreich; † 1997 in Nogent-sur-Marne, Frankreich
1918 Gewinn des Wettbewerbs der Firma Glycodont mit Zahnpasta-Plakat
1919‒1921 Anstellung in der Plakatdruckerei von Gaston Sirven in Toulouse
1921‒1923 Vertrag mit der Agentur Avenir Publicité
1930 Beitritt zur Union des Artistes Modernes (UAM)
1932 Gründung des Office de Propagande Graphique pour la Paix; Entwurf des Fotomontageplakats “Pour le désarmement des nations”
1937 Gestaltung des Pavillons für Werbegrafik an der Expo Paris
1939‒1953 Niederlassung in New York; unter anderem Gestaltung von staatlichen Propagandaplakaten
1953 Rückkehr nach Paris; Tätigkeit als Grafiker und Werbeberater für verschiedene Firmen
1964 Teilnahme an der documenta III in Kassel
Aus einer Architektenfamilie stammend, nahm Jean Carlu zunächst ebenfalls ein Architekturstudium auf. Nach Verlust seines rechten Arms infolge eines Unfalls wandte er sich aber bald ganz der Gebrauchsgrafik zu. Bereits 1918 gewann er einen von der Firma Glycodont ausgeschriebenen Wettbewerb für ein Zahnpasta-Plakat. Von 1919 bis 1921 arbeitete Carlu für die Plakatdruckerei von Gaston Sirven, von 1921 bis 1923 stand er bei der Agentur Avenir Publicité unter Vertrag. Carlus frühe Plakate waren noch stark von dem italienischen Plakatkünstler Leonetto Cappiello inspiriert. Bald jedoch orientierte er sich an den künstlerischen Avantgarden, namentlich am Kubismus. Mit seinem Plakat “Monsavon” von 1925 machte er sich neben Charles Loupot und Adolphe Mouron Cassandre einen Namen als Pionier des modernen Plakats: Stilisierte, vereinfachte Formen und eine kühne, serifenlose Typografie charakterisierten nun seine Werbung. 1932 gründete Carlu das Office de Propagande Graphique pour la Paix für den Einsatz der Grafik im Dienst des Friedens. In seinem berühmten Appell zur Abrüstung setzte er gekonnt die Technik der Fotomontage ein. Zusammen mit den Brüdern Jan und Joël Martel gestaltete Carlu über mehrere Jahre den visuellen Auftritt des Salon des arts ménagers und fand dort auch mit seinen innovativen Plakatreliefs zu neuem Ausdruck. 1937 wurde er mit der dekorativen Ausgestaltung des Pavillons für Werbegrafik an der Pariser Weltausstellung, entworfen von René Herbst, beauftragt und entwarf das Plakat für diese Expo. Auch 1939 übertrug Frankreich Carlu die Gestaltung des französischen Pavillons auf dem New York World’s Fair. Im Anschluss blieb Carlu aufgrund der deutschen Besatzung von Paris in New York. Hier schuf er mit staatlichen Propagandaplakaten zur Förderung der Erhöhung der amerikanischen Industrieproduktion einige seiner berühmtesten Arbeiten, so etwa das Plakat “America’s Answer! Production”. In den USA arbeitete Carlu auch für die Container Corporation of America und Pan American World Airways. Durch seine Bekanntschaft mit André Breton und Yves Tanguy wandte er sich nun verstärkt dem Surrealismus zu. 1953 kehrte Carlu nach Frankreich zurück und setzte seine Arbeit als Plakatdesigner und Werbeberater für viele Unternehmen fort, darunter Firmen wie Air France und Firestone und Marken wie Château Mouton Rothschild. Surrealistische und humoristische Elemente zeichneten nun sein Plakatschaffen aus. Von 1945 bis 1956 amtete Carlu als Präsident der Alliance Graphique Internationale (AGI). 1964 wurde er zur Teilnahme an der documenta III in Kassel in der Abteilung Grafik und Werbung eingeladen.
Quellen:
Musée de l’Affiche, Paris (Hg.), “Rétrospective Jean Carlu”, Paris 1980
https://madparis.fr/carlu
