Aleksandr Michajlovič Rodčenko
SU, 1891 - 1956
* 1891 in St. Petersburg, Russland; † 1956 in Moskau, Sowjetunion
1910‒1914 Studium der Malerei an der Kunstschule von Kasan; Bekanntschaft mit Vladimir Majakovskij und seiner späteren Frau Varvara Stepanova
1915‒1917 Studium der Bildhauerei und Architektur an der Stroganow-Schule in Moskau
1917 Innenraumgestaltung des Café Pittoresque, gemeinsam mit Vladimir Tatlin und anderen Künstlerinnen und Künstlern
1918‒1926 Leitung des Museumsbüros der Abteilung für Bildende Künste (IZO) des Volkskommissariat für Bildung der RSFSR (NARKOMPROS), Mitglied des Kunstkollegiums (bis 1922); daneben bis 1926 Lehrauftrag für Theorie der Malerei an der Proletkult-Schule in Moskau
1920‒1930 Lehre an den Höheren Künstlerisch-Technischen Werkstätten (WChUTEMAS) in Moskau, ab 1922 Dekan der dortigen Fakultät für Metallverarbeitung
Ab 1923 intensive Zusammenarbeit mit Majakovskij im Bereich der Reklamegestaltung
1925 Gestaltung des sowjetischen Pavillon für die "Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes" in Paris
Ab 1925 verstärkte Hinwendung zur Fotografie; Fotoreportagen für verschiedene Zeitschriften
Ab 1930 im Rahmen der Formalismusdebatte zunehmende Kritik an Rodčenkos Schaffen
1941/42 Evakuation der Familie nach Otschor und Perm während des Angriffs der deutschen Wehrmacht auf Moskau
1942 Rückkehr nach Moskau; vermehrt freikünstlerisches Schaffen
Aleksandr Rodčenko studierte von 1910 bis 1914 an der Kunstschule von Kasan mit Schwerpunkt Malerei. Hier lernte er seine spätere Frau Varvara Stepanova kennen. 1915 setzte Rodčenko sein Kunststudium an der Stroganow-Schule in Moskau in den Bereichen Bildhauerei und Architektur fort. Schon während seines Studiums wandte er sich gegen einen akademischen Kunstbegriff. 1916 konnte Rodčenko erste Werke ausstellen und sich als Avantgarde-Künstler etablieren. Gemeinsam mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, unten ihnen auch Vladimir Tatlin, gestaltete er 1917 den Innenraum des Café Pittoresque. Von 1918 bis 1922 arbeitete er in der Abteilung für Bildende Künste (IZO) des Volkskommissariat für Bildung der RSFSR (NARKOMPROS) als Leiter des Museumbüros und Mitglied des Kunstkollegiums, daneben bis 1926 als Lehrer für Theorie der Malerei an der Moskauer Proletkult-Schule. Ab 1919 entwickelte Rodčenko mit seinem als Lineismus bezeichneten Stil lineare Kompositionen und räumliche Konstruktionen, die den Geist des Minimalismus vorausnahmen. Rodčenko und Stepanova verstanden sich zudem als Vertreter des Konstruktivismus, der Kunst und Alltag zu verbinden suchte und den Kunstschaffenden eine direkte Rolle im gesellschaftspolitischen Leben zusprach.
Rodčenko gab die freie Kunst in ihrem traditionellen Verständnis schliesslich ganz auf und wandte sich der angewandten Grafik und Typografie zu, ab 1926 auch dem Theater und dem Film sowie dem Kunsthandwerk. Von 1920 bis 1930 lehrte er an den Höheren Künstlerisch-Technischen Werkstätten (WChUTEMAS) in Moskau, ab 1922 war er Dekan an der Fakultät für Metallverarbeitung. Im selben Jahr nahm Rodčenko an der "Ersten Russischen Kunstausstellung" in Berlin teil, 1925 konnte er den sowjetischen Pavillon für die "Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes" in Paris ausführen.
Mit seiner Hinwendung zur Reklamegestaltung ab 1923 begann für Rodčenko bald eine intensive, höchst fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Dichter Vladimir Majakovskij: Rodčenkos Fotomontagen und konstruktivistische Gestaltung wurden zur adäquaten visuellen Übersetzung von Majakovskijs Versen. Ihre gemeinsamen Plakate, Firmenschilder und Verpackungen verstanden sie aber nie als reine Produktvermarktung, sondern immer auch als ästhetisch emanzipatorische und inhaltlich gesellschaftsrelevante Botschaften, die allen zugänglich sein sollten: Die Werbetexte und Bilder waren stets funktionsgerecht und leicht lesbar. In seinen fotografischen Arbeiten, die ab den späten 1920er-Jahren für Rodčenko immer bedeutender wurden, propagierte er ebenso wie in seinem gesamten Schaffen das Neue Sehen durch ungewöhnliche Perspektiven und formal-grafische Abstraktionen.
Ab 1930 setzte die konservative Wende und die langsame Absage an die Avantgarde-Kunst ein, die mit der Verkündigung der allein gültigen Ästhetik des Sozialistischen Realismus 1934 ihren vorläufigen Abschluss fand. Auch Rodčenkos Werk geriet in die Kritik. Er arbeitete nun vor allem als Fotoreporter im Auftrag verschiedener Zeitschriften. Während des Angriffs der deutschen Wehrmacht auf Moskau 1941 wurden Rodčenko, Stepanova und ihre gemeinsame Tochter für etwa ein Jahr nach Otschor und Perm (damals Molotow) evakuiert. Nach seiner Rückkehr nach Moskau Ende 1942 gab Rodčenko die Fotografie weitgehend auf und widmete sich bis zu seinem Tod vermehrt dem freikünstlerischen Schaffen.
Quellen:
Rodtschenko, Alexander, “Schwarz und Weiß. Schriften zur Photographie”, München 2011
www.moma.org/interactives/exhibitions/1998/rodchenko/
andere Schreibweise
- Alexander Rodtschenko
- Aleksandr Rodcenko
- Aleksandr Rodchenko
- Alexander Rodschenko
