Natal'ja Sergeevna Gončarova
SU / FR, 1881 - 1962
* 1881 in Ladyschino, Russland; † 1962 in Paris, Frankreich
Ab 1898 Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur (MUSchWS) in Moskau
1906 mit Werken am Salon d’Automne in Paris beteiligt
1910 Gründung der Künstlergruppe Karo-Bube, zusammen mit Michail Fëdorovič Larionov
1912 Gründung der Künstlergruppe Eselsschwanz, zusammen mit Larionov
1913 gemeinsam mit Larionov Veröffentlichung des “Manifests des Rayonismus und des Futurismus”; grosse Einzelausstellung im Mikhailova Art Salon in Moskau
1914 Bühnenbildentwürfe für Sergej Pavlovič Djagilev in Paris
1918 feste Niederlassung in Paris
Bis 1929 enge Zusammenarbeit mit Djagilev und seinem Ensemble Ballets Russes
Natal'ja Gončarova nahm 1898 ein Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur (MUSchWS) in Moskau auf, wandte sich aber bald der Malerei zu. An der Hochschule begegnete sie ihrem späteren Lebenspartner, dem Künstler Michail Fëdorovič Larionov. Schon ab 1905 konnte Gončarova ihre Bilder in Gruppenausstellungen in Russland präsentieren, 1906 war sie am Salon d’Automne in Paris beteiligt. 1910 gründete Gončarova mit Larionov die Künstlergruppe Karo-Bube, 1912 die Gruppe Eselsschwanz. Gončarova suchte jedoch nach ihrem ganz eigenen Weg in der Kunst und distanzierte sich rasch wieder von diesen Vereinigungen. 1911 schloss sie sich dem Blauen Reiter an und war wiederholt an Ausstellungen des deutschen Expressionismus beteiligt. Ihre intensive Auseinandersetzung mit der Ikonenmalerei und der russischen Volkskunst beeinflusste bald ihr eigenes Schaffen. Gončarova entwickelte zunächst den neopositivistischen Stil, mit dem sie sich deutlich von westlichen Einflüssen distanzierte. Gemeinsam mit anderen russischen Kunstschaffenden experimentierte sie zudem mit dem Kubofuturismus und begründete zusammen mit Larionov die Stilrichtungen des Rayonismus und später des von der russischen Volkskunst inspirierten Neoprimitivismus. Gončarova schrieb sich so fest in die Geschichte der russischen Avantgarde ein: 1913 erhielt sie als erste Frau eine Einzelausstellung in Moskau, in der fast 800 Werke von ihr gezeigt wurden. Gončarova unterhielt auch enge Kontakte zur avantgardistischen Literaturszene und illustrierte die Werke russischer Futuristen. 1914 zeigte Gončarova in Paris Bühnenbildentwürfe für die Aufführung “Le Coq d’Or” des legendären Ensembles Ballets Russes von Sergej Pavlovič Djagilev, die beim französischen Publikum auf Begeisterung stiessen. Nach dem Ersten Weltkrieg liessen sich Gončarova und Larionov in Paris nieder, und Gončarova arbeitete bis zu Djagilevs Tod 1929 eng mit ihm zusammen: Sie entwarf Kostüme und Bühnenbilder für sein Ballett und erlangte damit bald hohes Ansehen. In der Folge erhielt sie weitere Aufträge internationaler Bühnen. 1923 gestaltete Gončarova ausgehend von ihrem Gemälde “Die Badenden” für den Ball russischer Künstlerinnen und Künstler, Grand Bal de Nuit, ein Plakat, in dem ihr synthetisches Kunstverständnis westlicher und östlicher Avantgarde beispielhaft zum Ausdruck kommt. Auch gelang es ihr, die kubistischen, farbigen Flächen raffiniert mit der Schrift zu verbinden.
Gončarovas letzte Lebensjahre waren von Krankheit und Armut geprägt. Erst 1989 gelangte ihr Pariser Nachlass gemäss testamentarischer Verfügung an die Staatliche Tretjakow-Galerie in Moskau.
Quellen:
Breuer, Gerda, “Her Stories in Graphic Design. Dialoge, Kontinuitäten, Selbstermächtigungen. Grafikdesignerinnen 1880 bis heute”, Berlin 2023
www.lostwomenart.de
andere Schreibweise
- Natal'ja Sergeevna Goncarova
- Natalja Sergejewna Gontscharowa
- Natalia Goncharova
