Emil Filla
CS, 1882 - 1953
Vita: Filla, Emil, tschech. Maler, Bildhauer, Zeichner, Graphiker, Kunsttheoretiker, *4.(nicht 3.)4.1882 Chropyne/Mähren, †6.(nicht 7.)10.1953 (nicht 1952) Prag. 8Hana Fillová-Krejcová.
Biogramm: 1898 Ausb. an der Handels-Akad. Brünn (Brno), 1900 erste Kunstreise nach Wien, 1902 kurzzeitig Versicherungsangestellter in Brünn. Stud.: 1903-06 ABK Prag bei Franz Thiele, Vlaho Bukovac (1904 1. Preis der Akad.). 1906 längere Studienreise durch Europa, Besuch von Mus. in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Italien; begleitet von den ebenfalls gegen ihre Prof. der ABK rebellierenden Kommilitonen Friedrich Feigl und Antonín Procházka. 1907 Mitbegr. der bis 1908 bestehenden, an der Dresdner Brücke und den Pariser Fauves orientierten Gruppe Osma (Acht; weitere Mitgl. Feigl, Procházka, Bohumil Kubista, Otakar Kubín, Max Horb, Willy Nowak, Emil Artur Pittermann-Longen). Prägender noch als für die and. Osma-Vertreter wird für F. die seel. Ausdrucksmalerei von Edvard Munch, der bereits 1905 in Prag eine Retr. im S.V.U. Mánes hatte. Existenzielle Schwere, Depressionen und Zwangsvorstellungen werden thematisiert (z.B. Leser Dostojewskis, 1907; Liebesnacht, 1908, beide NG Prag). Malt 1908 mit Feigl an der dalmatin. Adria bei Dubrovnik (Ansicht von Gruze, NG Prag). Lebhaftes Kolorit und breiter, ungestümer Pinselduktus entfalten sich in den Bildern dieses Jahres (Porträt des Dichters Josef Uher, Brno; Selbstbildnis mit Zigarette, NG Prag). Richtungweisend wird neben der grellen Palette eines Van Gogh oder Matisse die Intensität des Ausdrucks in der Malerei Daumiers oder des Barock (Herz As, 1908/09; Barmherziger Samariter, 1910, beide NG Prag). 1909 Eintritt in den S.V.U. Mánes, bald redaktioneller Beirat der Zs. Volné smery. Wegen F.s Aufsatz "Über die Tugend des Neoprimitivismus", eines programmat. Bekenntnisses zur Pariser Avantgarde im secessionist. geprägten Organ des ehrwürdigen tschech. Künstler-Verb., kommt es zum Skandal. Ausschlaggebend für Abonnementkündigungen sind weniger die antiimpressionist. Verbalattacken des Theoretikers, als vielmehr die provozierenden Ill. nach Gem. und Hschn. von André Derain, Pablo Picasso und Georges Braque. Verläßt im Febr. 1911 nach einer Mánes-Ausst. den Ver. zus. mit 14 jüngeren Mitgl., die sich im Mai zur Skupina vytvarnych umelcu (Gruppe bild. Künstler) formieren. Die Skupina, als deren führenden Kopf F. sich betrachtet, ist bis 1914 Zentrum der kubist. orientierten Künstler. Vor dem 1. WK reger Kontakt zur Kunstszene in Deutschland, so zu Herwarth Walden, zur Brücke und zum Blauen Reiter.
Quelle: AKL (Auszug)
