Willy Fries
CH, 1907 - 1980
Vita: Fries, Willy, schweiz. Maler, *26.5.1907 Wattwil/St.Gallen, †18.7.1980 ebd. Heirat mit Dorothea Wieser (eine Tochter, zwei Söhne).
Biogramm: Bis 1929 Kunstgesch.-Stud. an der Univ. in Zürich bei Heinrich Wölfflin, der F.s Begabung entdeckt und ihn fördert. Arbeitet 1930 in Paris (Acad. scandinave); lernt Fernand Léger und Amédé Ozenfant kennen. Studiert im Louvre die alten Meister; ist bes. von Rembrandt, Bosch und Breughel beeindruckt. 1931-36 Forts. des Stud. an der Univ. und der KA in Berlin (Kunstgesch., Phil., Malerei). Während der Machtergreifung durch die Nat.-Sozialisten lernt F. die bekennende Kirche kennen (Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller, Heinrich Vogel). Dieses Erlebnis und die intensive Auseinandersetzung mit der Bibel, wodurch F. vom Wirken Jesu zutiefst ergriffen ist, führen zum entscheidenden Wendepunkt in seiner künstler. Entwicklung; in diesem Sinn will er mit Bildern eine Botschaft weitergeben, die ihn vollkommen erfaßt hatte. Erschüttert durch den Terror, bes. die Verfolgung der Juden, malt er 1936-44 auf 18 Tafeln die Große Passion; darin zeigt er die eig. Bevölkerung und Schweizer Soldaten vor der Kirche in Wattwil, während Pilatus Jesus verurteilt (für die in eig. Regie verfilmte Fassung Gib uns Frieden erhält F. 1962 den Anerkennungspreis der Interfilmtagung in Brüssel). Nach dem 2.WK malt F. 1946-49 die Geburt Jesu als zehnteiligen Zyklus und siedelt die Szene im kriegsversehrten Europa an. In der zweiten Lebenshälfte beschäftigen ihn zunehmend die weltweiten Leiden der Hungernden, Benachteiligten und Ausgestoßenen. Unter dem Stichwort "Lazarus" malt er Tafeln, die "Christus inkognito" im armen Mitmenschen zeigen, z.B. das Große Gastmahl (1965) für einen Raum in Berlin, in dem "nichtarische Christen" vor ihrer Verschleppung ins Vernichtungslager ein letztes Abendmahl feiern. Ein weiterer Schwerpunkt in F.s Werk sind Portr. von Persönlichkeiten mit nachhaltiger internat. Ausstrahlung (M.L. King; Mutter Teresa, W.A. Mozart). Die Farbigkeit wandelt sich im Zusammenhang mit der Aussageabsicht, wird nun dominanter, die Figürlichkeit moderner. Die öff. Auftragswerke für Schulen, Fabrikkantinen (Fresko), Kirchen (Farbfenster) und and. sakrale Räume (Gem. in Mischtechnik) wirken aufrüttelnd, provokativ. Die Goethe-Stiftung verlieh ihm 1970 in Salzburg den Rembrandt-Preis und die theolog. Fak. Bern 1972 den Ehrendoktor. F.s letztes Fresko Das Gewicht der Welt (1979) stellt gleichsam eine Synthese seiner Anliegen dar. Die 1980 in Wattwil von ihm gegr. W.F.-Stiftung betreut sein Œuvre; dazu gehören u.a. Gedächtnis-Ausst. in St. Gallen (1982), Hamburg und Berlin (beide 1987). Buch-Publ. mit eig. Werken: Die Fischer, Z./L. 1934; Der arme Mann, (Texte U.Bräker), Z./L. 1935, beide mit Tusch-Zchngn; Die große Passion (Bildband), Z. 1976.
Werke: BERLIN, Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche: Der Gekreuzigte an der Mauer, Farbglasfenster, 1957. - B.-Friedrichshain, Bartholomäuskirche: Das große Gastmahl, Mischtechnik, 1965. BONN, ev. Militärseelsorge: Die große Passion, 18 Taf., 1936-44; Er lag vor seiner Tür, alles Mischtechnik. BOLDERN OB MÄNNEDORF/Zürich: Christophorus, Mischtechnik, 1939. BÜTSCHWIL/St.Gallen, ehem. Spinnerei: Tanz der letzten Stunde, Fresko, 1960. KILCHBERG/Zürich, reformiertes Kirchgemeindehaus: Das Gewicht der Welt, Fresko, 1979. RÜTI/Zürich, reformiertes Kirchgemeindehaus: Petrus hat er gerettet, Mischtechnik, 1964. ST.GALLEN, Friedhofs-Kap. Feldli: Der letzte Tag der Stadt, Farbfenster, 1942. - KM. WATTWIL/St.Gallen, Spital: Christ ist geb., 10 Taf., Mischtechnik, 1946-49. - W.F.-Stiftung: Gem., Zchngn.
Selbstzeugnisse: Tagebuch aus der Ruinenstadt, Z. 1946; W.F. Ein Wkst.-Buch, Z. 1949; Christ ist geb., Z. 1953; Unverlierbare Mitte (Aufsätze), B. 1956; Ind. Tagebuch, Amriswil 1972; Bilder im Sturm, Erinnerungen, Amriswil 1986.
Ausstellungen: E: 1948 St.Gallen, KM (Gesamt-Ausst.) / 1954 Leipzig, Ev. Kirchentag: Die Passionsbilder / 1956 Zürich, Kunsthaus (200 Taf.) / Wattwil, reformierte und kath. Kirche: 1977 Jubiläums-Ausst. (K: H.Liebich/H.Gröger); 1980 Mauer und Glas (K).
Bibliographie: Vo2, 1955. Plüss/Tavel I, 1958; BLSK I, 1998 (jeweils Werke, eig. Schr., Lit.). - T.Onken (Einf.), W.F. als Zeichner, Amriswil 1970; W.F. Lazarus, Z. 1972; D.Larese (Ed.), W.F. zum 70.Geburtstag. Liber amicorum, Amriswil 1977; R.Heinzer u.a., W.F. Markstein gegen das Vergessen, Birsfelden 2001
Quelle: AKL
