John Heartfield
John Heartfield (geb. Helmut Herzfeld)
* 1891 in Schmargendorf, Deutschland; † 1968 in Ostberlin, DDR
1908‒1911 Studium an der Kunstgewerbeschule in München
1913 Studium an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Berlin-Charlottenburg
1914/15 Militärdienst und Entlassung wegen simulierter Nervenkrankheit
1916 Annahme des Namens John Heartfield aus Protest gegen die antienglische Kriegspropaganda
1917 Gründung des Malik-Verlags mit Wieland Herzfelde
1919 Protagonist der Berliner Dada-Bewegung
Ab 1921 Pionier der politischen Fotomontage für Buchumschläge des Malik-Verlags sowie unter anderen für die Zeitschriften “Der Krüppel”, die “Rote Fahne”, die “Arbeiter-Illustrierten-Zeitung” (AIZ) und die “Volks-Illustrierte”
1929 Fotos und Fotomontagen zu Kurt Tucholskys “Deutschland, Deutschland über alles”
1931 einjähriger Aufenthalt in der Sowjetunion, Arbeit für Theaterstücke und Ausstellungen, Vortragstätigkeit
1933 Flucht in die Tschechoslowakei
1938 Flucht nach Grossbritannien, vorübergehende Internierung
1950 Rückkehr nach Deutschland, Niederlassung in Leipzig
1956 Umzug nach Ostberlin, Sommerhaus in Waldsieversdorf
Nach einer Lehre als Buchhändler in Wiesbaden absolvierte Helmut Herzfeld von 1908 bis 1911 ein Studium an der Münchner Kunstgewerbeschule. Nach kurzer beruflicher Tätigkeit als Werbegrafiker 1912 setzte Herzfeld seine Ausbildung mit einem Studium an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Berlin-Charlottenburg fort. 1914 wurde Herzfeld als Soldat eingezogen, 1915 aufgrund einer simulierten Nervenkrankheit aus der Armee entlassen. 1916 nahm er aus Protest gegen den deutschen und spezifisch englandfeindlichen Nationalismus den Namen John Heartfield an. 1917 gründete Heartfield gemeinsam mit seinem Bruder Wieland Herzfelde (geb. Wieland Herzfeld) in Berlin den Malik-Verlag. 1918 trat Heartfield der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD) bei und war ab 1919 neben George Grosz und Raoul Hausmann einer der Hauptprotagonisten und Künstlerinnen der politischen Berliner Dada-Bewegung. Ab dem Jahr 1921 begann Heartfield mit der Gestaltung von Buchumschlägen in Fotomontage-Technik für den Malik-Verlag, die sofort grosse Aufmerksamkeit erregten. Nebenbei war er als Ausstattungsleiter der Reinhardt-Bühne in Berlin unter Erwin Piscator tätig, ab 1923 Mitarbeiter der Satirezeitschrift “Der Krüppel” und ab 1930 der “Arbeiter-Illustrierten-Zeitung” (AIZ) von Willi Münzenberg. Heartfield gilt als Pionier der politischen, gesellschaftskritischen Fotomontage: Seine bissigen Arbeiten, die früh und explizit vor dem Hitlerfaschismus warnten, erschienen ab 1936 auch regelmässig in der “Volks-Illustrierten” und wurden als Plakate verbreitet. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten floh Heartfield 1933 in die Tschechoslowakei, von wo aus er weiterhin für den Malik-Verlag und die AIZ arbeitete. 1934 wurde Heartfield vom Deutschen Reich ausgebürgert, 1938 gelang ihm die Flucht nach Grossbritannien. Nach vorübergehender Internierung als feindlicher Ausländer erhielt er 1943 eine Arbeitserlaubnis als Cartoonist und arbeitete unter anderem als Buchgestalter für englische Verlage. 1950 kehrte Heartfield nach Deutschland zurück und lebte bis 1956 in Leipzig, wo er gemeinsam mit seinem Bruder für Verlage, Theaterhäuser und Organisationen der DDR aktiv war. 1956 zog Heartfield nach Berlin und wurde dort zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste gewählt. Ab den 1950er-Jahren wurde sein Schaffen zunehmend durch Auszeichnungen und Ausstellungen anerkannt und gewürdigt. Nach seinem Tod wurde gemäss seinem Testament in der Akademie der Künste der DDR das John-Heartfield-Archiv eröffnet.
Quellen:
Rotes Antiquariat, Galerie C. Bartsch (Hg.), “John Heartfield, Buchgestaltung und Fotomontage”, Berlin 2014
www.heartfield.de
