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Franz Fallenter
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Franz Fallenter

CH, um 1550 - 1612
BiografieGlasmaler, Miniaturmaler
Vita: Fallenter (Fallender; Falleter), Franz, schweiz. Glas- und Miniaturmaler, *um 1550 Luzern, †1612 ebd. (der Nachlaß ist am Dienstag vor Sankt Moritz dieses Jahres dat.). Vater des Glasmalers Jost F. (*1586; kein Werk erh.).
Biogramm: 1570 erstmals dok.; 1574 auf der Wanderschaft nachg., u.a. in Aarau und Freiburg im Breisgau, wo F. eine Zeitlang als Geselle in der Wkst. von Melchior Gross arbeitet und wohl in unlautere Machenschaften verwickelt ist. 1575 in Luzern nachw. als Mitgl. der Lukas-Bruderschaft. 1577 in Aarau tätig (als "Frantz Falleter vom adler"); bemalt eine Dose mit dem dortigen Stadtwappen. Ab 1580 endgültig in Luzern ansässig und als "Hintersässe" aufgenommen. Ab 1591 erteilt die Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Rathausen b. Luzern, Verena Feer, F. den Auftrag zum größten Teil von insgesamt 67 Glasfenstern für den Kreuzgang. Für ein 1598 zus. mit seinem Sohn dem Stadtrat von Luzern übergebenes Glas-Gem. mit dem Salomon. Urteil und den Fam.-Wappen des Ratskollegiums (sign., dat. 1598; Luzern, HM) wird beiden das Bürgerrecht geschenkt. Im selben Jahr sind vier Gesellen in F.s Wkst. beschäftigt, wo auch Daniel Lindtmayer d.J. vorübergehend tätig ist. Die Witwe bleibt in ärml. Verhältnissen zurück. - Herausragender Vertreter der spätbarocken Glasmalerei, der in seiner Schaffenszeit als führender Glasmaler in Luzern und char. Vertreter der schweiz. Kabinettscheibenkunst gilt. F. greift zumeist auf Vorlagen angesehener Reißer zurück, z.B. von Christoph Murer aus Zürich und v.a. von dem ab 1598 in Luzern tätigen Lindtmayer. Die oftmals den Typen von Murer gleichenden Figuren erscheinen als gespreizte Wesen mit hochstirnigen, pausbäckigen Gesichtern und in Gewändern mit straffem Faltenwurf. Die zumeist monoton wiederholte Archit. wirkt schwer und plump. Die zeichner. Schwächen und eine kompositor. Gleichförmigkeit in Verbindung mit dem Hang zu übertriebener Detailtreue kompensiert F. jedoch durch eine breite Palette prachtvoll leuchtender Farben. Für die Ausf. der ausgesprochen maler. Arbeiten setzt er alle verfügbaren Mittel der Schmelzfarbentechnik ein und beschäftigt sogar einen Farbenmacher. Das Œuvre umfaßt v.a. Stadt-, Wappen-, Ämter- und Figurenscheiben für Auftraggeber in der gesamten Innerschweiz, zu denen sowohl Kirchen, vermögende Klöster und Stifte als auch die wohlhabende Oberschicht gehören. F.s Hw. ist der für den Kreuzgang des Zisterzienserinnenklosters Rathausen bestimmte, 1591 beg. und bis zum Tod nicht fertiggestellte Glasgemäldezyklus mit lebendigen Szenen aus dem Leben Christi (bis 1623 von and. Glasmalern voll.), der bei der Säkularisierung des Klosters 1848 in versch. Slgn überging. Das Unternehmen der Kreuzgangverglasung war von Repräsentationsbedürfnis und gegenreformator. Eifer getragen und bildeten den krönenden Abschluß des Klosterneubaus. Es war der aufwendigste geschlossene Zyklus der nach-ma. Schweizer Glasmalerei, der 67 Scheiben mit ident. Komp. und Abmessung (formal entsprechen sie den Bogenflächen der Arkaden) vereinte. Für die Entwürfe wurden wohl die besten Reißer verpflichtet (zwei von Murer und drei von Lindtmayer sign. Vor-Zchngn in Basel, KM; Mainz, LM; Zürich, Schweiz. LM). Dennoch ist die Einheitlichtkeit der Darst., für die offenbar von Beginn an ein ikonogr. Konzept vorlag, dadurch gewahrt, daß das Kloster die Gesamtverantwortung für das Werk behält. F. fertigt wohl weit mehr als die Hälfte der Glas-Gem., von denen 33, mit dem Monogr. FF sign., bek. und lt. NDB heute auf folgende Slgn verteilt sind: 16 Stück in Zürich, Schweiz. LM (u.a. Jüngstes Gericht, 1598; von den insgesamt 24 dort befindl. Darst. aus Rathausen besteht zur Zeit in acht Fällen noch keine einhellige Auffassung zur Zuschr.); acht in New York, Metrop. Mus. (z.B. Christi Verklärung); drei in Los Angeles/Calif., J.Paul Getty Mus. (z.B. Anbetung der Könige, 1592; dort auch eine Szene von Michael [II] Müller); drei in Worms, Mus. Kunsthaus Heylshof; eines in Näfels, Mus. des Landes Glarus; außerdem in priv. Slgn in Wien und Zürich. Von Brun (1905) zit., weitere sign. Arbeiten: Scheibe mit den Wappen von Sonnenberg und Zurgilgen, 1598 (für Schloß Schauensee in Kriens/Luzern); Scheibe des Probstes Nikolaus von Holdermeyer von Beromu¨nster, 1601 (bis 1881 im Schloß Oberhofen am Thunersee).
Werke: LONDON, V&A: Erzengel Michael, Figurenscheibe, um 1580 (früheste bek. Arbeit). LUZERN, Zentral-und HS-Bibl.: Pilgerbericht des Obersten Rudolf Pfyffer über seine Jerusalemfahrt, 65 Pergament-Bll. mit 47 Bildern, 41 farbenfrohe Min. mit Bibelszenen und Stadtpanoramen, 1592. - Staats-Arch.: Min. in dem vom Luzerner Kanzler Renward Cysat verfaßten Stiftungsbrief des dortigen Jesuitenkollegiums, 1577 (Zuschr.). NEW YORK, Metrop. Mus.: Anna Müller mit ihren Söhnen, Glas-Gem., 1599.
Selbstzeugnisse: Hausbuch, 1580-1612 (Chron. mit persönl. Not. zu seiner Fam., berufl. und medizin. Rezepten sowie einer Spruch-Slg, Luzern, Zentral- und HS-Bibl.).
Bibliographie: ThB11, 1915. Brun, SKL I, 1905; HBLS III, 1926; NDB V, 1961; D'Ancona/Aeschlimann, 1949 (Repr. 1969); BLSK I, 1998 (Lit.). - Rott III (Text), 1938; H.Dietschi, Jb. für solothurn. Gesch. 14:1941, 50; A.Scheidegger, Alte Glasmalerei der Schweiz (K KGM), Z. 1946; Boesch, 1955; J.Schneider, Glas-Gem. Kat. der Slg des Schweiz. LM, II, Stäfa 1970; H.Horat, Renaiss.-Malerei in Luzern 1560-1650 (K Schloß Wyher, Ettiswil), Luzern 1986; Stud. in the hist. of art (Wa.) 28:[ca. 1987]72 s.; D.E. Kraak, Stud. in Cistercian art and archit. 4:1993, 110-153, 263-271; C.Aman u.a., Glasmalerei aus acht Jh., L. 1997. - Online: 2002. - Mitt. M.Ruoss, Zürich, Schweiz. LM.
Quelle: AKL